Meine Biografie
Mein Papa hat laut eigenen Aussagen vor, sich meine Autobiografie in den folgenden Tagen oder Wochen diktieren zu lassen, um sie hier der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.
Vorab nur so viel: Ich kam ein wenig überraschend am 1. April 2008 (kein Scherz!) um 00:44 Uhr im Krankenhaus Mödling nach einer Sectio caesarea am Beginn der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt. Aufgrund des doch recht frühen Entbindungstermins wog ich mit meinen 42cm Körperlänge gerade einmal zarte 1.650g.
Die ersten Tage meines Lebens durfte ich darauf hin in einem schnuckeligen Inkubator verbringen. Da drin war es beinahe so herrlich warm wie in Mamas Bauxi. Die Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent war angenehm wohlig und ich bekam luxuriöserweise sogar ein bissi Extra-Sauerstoff. Zusätzlich war da draußen hinter der Glaswand so ein lustiger Monitor, der den Leuten zeigte, wie tapfer mein Herzchen schlägt und wie fleißig ich schon atmete. Toll, nicht?
Anderen Kindern wäre da drin vielleicht langweilig geworden, aber bei mir war das anders. Jeden Tag tat sich etwas frisches und spannendes. Einmal bekam ich ein kleines Schläuchlein in die Nase gesteckt, dass ich nicht so schwer atmen musste. Ein anderes Mal bekam ich eine wohlige UV-Bestrahlung, für die andere wohl erst ins Solarium laufen müssten. Wirklich lustig, das! Ausserdem waren meine Mama und mein Papa dauernd da, also gab es da ohnehin keine Langeweile...
Die Ärzte waren jedenfalls sehr zufrieden mit meiner Entwicklung. Beinahe täglich konnten sie meinen Eltern gute Nachrichten überbringen. Mit jedem Tag, der verging, konnte die Sauerstoffmenge in meiner kleinen Schutzatmosphäre gesenkt werden, ich vertrug sehr bald die leckere Muttermilch meiner Mama und nach nur fünf Tagen konnte ich das erste Mal aus meinem kleinen Inku genommen werden, dass meine Mama und mein Papa mich auch einmal so richtig auf den Arm nehmen konnten. Das hat sich vielleicht gut angefühlt, sag' ich Euch!
Am achten Tag meines kurzen Lebens war der nächste wichtige Punkt meiner Entwicklung erreicht: Ich konnte mein bisheriges Zuhause, den Brutkasten, gegen ein kleines Wärmebettchen eintauschen. Dort konnten mich meine Eltern jederzeit in den Arm nehmen und auch zunehmend selbständig betreuen.
Bald bekam ich einen Haufen neuer Nachbarn in den Bettchen neben mir. Die waren zwar nicht sonderlich gesprächig, aber ich konnte mich ohnehin nicht besonders viel um sie kümmern, da ich im Grunde nur zwischen Schlafen und Essen hin und her pendelte. Ausserdem waren meine Mama und mein Papa so oft da, dass ich, so ich zwischendurch wach war - ohnehin nur wenig Zeit für andere Dinge als Futtern hatte. :-)
Ich entwickelte mich prachtvoll. Alle paar Tage wurde ich in so eine putzige Waagschale gelegt und wenige Sekunden später waren alle begeistert und beglückwünschten mich dazu, schon wieder ein Stück schwerer geworden zu sein. Aus irgendeinem Grund habe ich jedoch tief im Hinterkopf so ein unbestimmtes Gefühl, dass diese Freude über jedes Dekagramm mehr auf meinen Ripperln in einigen Jahren nicht mehr so groß sein würde. Sei's wie's sei, meine stets anwachsenden Backerln haben nichts desto weniger allgemeines Entzücken in die Gesichter gezaubert.
Am 25. April war es dann soweit: Lange hatten sich meine Eltern darauf gefreut, mit mir in ein eigenes kleines gemütliches Zimmer im Krankenhaus zu ziehen, ein so genanntes Mutter-Kind-Zimmer. Dort waren wir dann ungestört und meine Mama konnte rund um die Uhr mit mir zusammen sein. Das war vielleicht eine Freude, kann ich Euch sagen und ich hatte das Gefühl, dass meine Eltern unheimlich glücklich waren, so viel mehr Zeit mit mir verbringen zu können! Zusätzlich zu diesem Plus an gemeinsamer Zeit wuchs natürlich auch die Vorfreude auf mein neues Zuhause mit jedem Tag an, da nun der Tag meines Umzugs in mein richtiges Zuhause in immer greifbarere Nähe rückte.
Dienstag, der 29. April war dann ein ganz großer Tag für mich. In der Früh wurde ich an einen ganzen Haufen bunter Kabel angeschlossen und neben meinem Bettchen wurde ein riiiesiger Computer aufgestellt. Die Ärztin und die Schwestern nannten das Schlaflabor, aber sie wollten mir nicht genau erklären, was das eigentlich sein soll. (Anm. d. Vaters: Überwachung des Schlafes über einen Zeitraum von acht Stunden Nettoschlafzeit zur Überprüfung von einigen Vitalfunktionen wie Herzrhythmus, Atmung, Sauerstoffsättigung, usw. Bei Frühgeborenen eine vollkommen normale Abschlussuntersuchung vor der Entlassung). Jedenfalls - wie sich tags darauf herausstellen sollte - war die Frau Doktor ziemlich beindruckt, wie gut ich komplett ohne medikamentöse Unterstützung auskam. Am Abend wurden mir dann endlich diese klebrigen und lästigen Sensoren wieder abgenommen. Meine letzte Nacht im Krankenhaus war angebrochen.
Der Mittwoch war ein strahlend sonniger und herrlich warmer Tag, also ein ideales Wetterchen für meine feierliche Heimfahrt ins gemütliche Zuhause meiner quasi frisch gebackenen Familie. Am späteren Nachmittag wurde es in meinem Zimmerchen so lebendig wie noch niemals in meinem ganzen Leben (klingt lustig nach so wenigen Wochen, gell?). Die Ärztin kam mich besuchen, die Schwestern waren viel da und Mama und Papa schienen aus irgendeinem Grund ein bissi nervös. Ich brachte an jenem Tag stattliche 1.980 Gramm auf die Waage und war sogar schon ein paar Zentimeter in die Länge gewachsen.
Ich wurde in ein anderes Gewand als die Krankenhausbekleidung gesteckt und die Stunde des Abschieds vom Kinderturm des KH Mödling war gekommen. Mama und Papa verabschiedeten sich von den Schwestern und Ärzten, die uns immerhin einen ganzen Monat lang so großartig umsorgten. Ein richtiggehend bewegender Moment, befand mein Papa. Danach setzten sie mich in so eine ulkige Sitzschale fürs Auto und trugen mich das erste Mal nach draußen. Ich hatte ja schon öfter kurz durchs Fenster meines Zimmers schauen können, aber an jenem Tag schien mir das erste Mal die Sonne ins Gesicht und ich erblickte eine gänzlich neue Welt.
Seit damals wohne ich nun bei bei meinen Eltern und bereite ihnen jeden Tag enorme Freude, wie sie nicht müde werden zu erwähnen.
Ein Jahr zog ins Land
Die Zeit vergeht wie im Flug und ich entwickle mich nach wie vor ganz großartig. Mir scheint, ich entdecke fast jeden Tag irgendetwas Neues. In den ersten Wochen war ich schon stolz, mich vom Rücken auf mein Bauxi drehen zu können. Mittlerweile bin ich schon ein richtiger Säbelzahnbasti mit ganzen vier Hauerchen. An der Hand oder wenn ich etwas finde, woran ich mich festhalten kann, mache ich sogar schon meine ersten zögerlichen Schrittchen. Bin schon gespannt, wann das mit dem Rumlaufen so richtig klappt. Bis dahin plaudere ich munter vor mich hin und erfreue meine Umwelt mit meiner gewohnt guten Laune...
Nachdem sich im Moment sooo selten jemand findet, dem ich meine Biografie diktieren kann, wird hier nicht so regelmässig aktualisiert, daher an dieser Stelle eine kleine Empfehlung:
» Schau' Dir einfach zwischendurch mal meine Bildergalerie an!